Kurze Geschichte
des Dekanates Ottobeuren
und der Dekanatsbibliothek


Dekanatssiegel von 1682


Je größer im 8. Jahrhundert die Zahl der Kirchen und der Geistlichen wurde, desto notwendiger erwies sich eine kirchliche Organisation. Darum wurden die Dekanate oder Ruralkapitel eingerichtet. Im Günzgebiet entstand das Kapitel Ottobeuren. Ursprünglich trugen die Kapitel keine stehenden Namen. Auch das Dekanat Ottobeuren hatte nach dem wechselnden Sitz des Dekans verschiedene Namen, z.B. im Jahre 1411 Dekanat Obergünzburg, im Jahre 1493 Dekanat Steinheim usw., daneben aber auch nach seinem Hauptort Dekanat Memmingen.


Die Register des bischöflichen Siegelamtes Augsburg beginnen mit dem Jahr 1472. Bis 1922 hatte das Dekanat Ottobeuren in etwa denselben Umfang. Die alten Pfarreien des Dekanates sind: Altisried, Amendingen, Arlesried, Attenhausen, Benningen, Böhen, Boos, Brunnen, Buxach, Buxheim, Dickenreishausen, Dietershofen, Dietmannsried, Ebersbach, Egg, Engetreid, Erkheim (Untererkheim), Frechenrieden, Frickenhausen, Grönenbach, Günz, Haldenwang, Hawangen, Heimertingen, Herbishofen, Holzgünz, Illerbeuren, Lauben, Memmingen St. Martin und Unser Frauen, Niederdorf (Unterwolferschwenden), Niederrieden, Obererkheim, Obergünzburg, Oberlauben, Ottobeuren St. Peter und Paul (Marktpfarrei), Pless, Probstried, Reicholzried, Rettenbach, Sontheim, Steinheim, Stephansried, Theinselberg, Ungerhausen, Untrasried, Volkratshofen, Westerheim, Wolfertschwenden, Woringen und Zell. - Die Pfarreien gehörten verschiedenen Herrschaften an, z.B. dem Reichsstift Ottobeuren oder dem Fürststift Kempten.


Später wurden die Pfarreien Brunnen und Stephansried aufgelöst, Stephansried kam zu Ottobeuren, Altisried wurde mit Frechenrieden zusammengelegt. In der Reformation wurden die Pfarreien Arlesried, Buxach, Dickenreishausen, Frickenhausen, Herbishofen, Lauben, St. Martin in Memmingen, Obererkheim, Steinheim und Theinselberg protestantisch bzw. reformiert.

Das Dekanatsstatut von 1682 für das nun "Ottobeuren" genannte Dekanat gliedert die Pfarreien in vier regionale Distrikte (Cap. VII):

Distrikt Obergünzburg (Fürststift Kempten):
Dietmannsried mit Schrattenbach, Ebersbach, Obergünzburg mit Haldenwang, Hopferbach, Oberlauben, Probstried, Reicholzried, Untrasried.

Distrikt Ottobeuren (Reichsstift Ottobeuren):
Benningen, Böhen, Cronburg mit Illerbeuren und Kardorf, Hawangen, Ottobeuren, Ungerhausen, Woringen, Wolferschwenden mit Dietradried.

Distrikt Memmingen:
Amendingen, Pless, Boos, Buxheim, Heimertingen, holzgünz, Memmingen, Niederrieden (Stift Ottobeuren) und Volkhartshofen.

Distrikt Sontheim:
Altisried mit Frechenrieden, Attenhausen (Stift Ottobeuren), Dietershofen, Egg (Stift Ottobeuren), Engetried mit Ronsberg, Erkheim, Günz (Stift Ottobeuren), Rettenbach, Sontheim und Westerheim (beide Stift Ottobeuren).



Nach der Säkularisation 1803 wurden die beiden Pfarreien in Ottobeuren (Klosterpfarrei und St. Peter und Paul) aufgehoben und an deren Stelle die neue Pfarrei St. Alexander und Theodor organisiert. Die Frauenkirche in Memmingen wurde den Lutheranern überlassen und dafür die katholische Stadtpfarrei St. Johann gegründet. Niederdorf wurde Filiale von Wolfertschwenden, Volkratshofen wurde protestantisch, Woringen wurde mit der Pfarrei Zell zusammengelegt.


Erst die Dekanatsreform von 1922 (Amtsblatt der Diözese Augsburg vom 9. April 1921) brachte große Veränderungen. Bisher bestanden etwa 40 größere Dekanate, die nun in kleinere aufgeteilt wurden. Ein Dekanat sollte nicht weniger als 10 und nicht mehr als 20 Pfarreien umfassen. Es entstanden über 60 Dekanate im Bistum Augsburg. Zum Dekanat Ottobeuren gehörten nur noch die Pfarreien: Attenhausen, Böhen, Erkheim, Frechenrieden, Günz, Hawangen, Holzgünz, Lachen, Markt Rettenbach, Ollarzried, Ottobeuren, Sontheim, Ungerhausen und Westerheim.


Bei der Dekanatsreform 1974 wurden wieder größere Dekanate geschaffen und die Zahl der Dekanate von 60 auf 35 reduziert. Das heutige Dekanat Ottobeuren entstand durch die Zusammenlegung der zwei bisherigen Dekanate Ottobeuren und Oberroth. Nur wenige Pfarreien wurden in andere Dekanate umgruppiert. Heute gehören 22 Pfarreien zum Dekanat Ottobeuren : Attenhausen, Babenhausen, Böhen, Dietershofen, Egg a.d. Günz, Engetried, Erkheim, Eutenhausen, Frechenrieden, günz, Hawangen, Kettershausen, Kirchhaslach, Klosterbeuren, Markt Rettenbach, Ottobeuren, Ollarzried, Sontheim, Tafertshofen, Westerheim, Winterrieden und Zaiertshofen.


Zur Zeit gilt das Dekanestatut von 1985, ein neues Statut ist jedoch in Vorbereitung und wird wohl in absehbarer Zeit vom Augsburger Diözesanbischof Dr. Viktor Josef Dammertz OSB in Kraft gesetzt.


Die historische Bibliothek
des Dekanates Ottobeuren



 
In der Benediktinerabtei Ottobeuren schlummern bislang noch kaum beachtet die Schätze der Dekanatsbibliothek des Dekanates Ottobeuren. Aber nicht mehr lange. Die Bestände der Bibliothek sind in einem Katalog erfaßt, ihre Geschichte und ihr Schicksal liegen jedoch im Dunkeln. Der besondere Wert der Ottobeurer Dekanatsbibliothek zeigt sich vor allem darin, daß zahlreiche handcolorierte Inkunabeln, also vor dem Jahre 1500 gedruckte Bücher, sowie die wichtigsten theologischen Standardwerke und Compendien vom 16. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts vorhanden sind. 


 
Weil der Weg in entfernte Bibliotheken das Studium vornehmlich theologischer Fachliteratur für die Pfarrer in früheren Zeiten unmöglich machte, wurde in den Dekanaten damit begonnen, die wichtigste Literatur, Standardwerke und Fachzeitschriften für alle Pfarrer zentral an einem Ort in einer Dekanatsbibliothek zugänglich zu machen.

Viel läßt sich zur Geschichte der Dekanatsbibliothek Ottobeuren derzeit noch nicht sagen. Sie muß noch erforscht werden. Aus den handschriftlichen Besitzvermerken auf den Titelblättern vieler Bücher zeigt sich jedoch, daß die Bestände der Dekanatsbibliothek zumeist durch Nachlässe und Schenkungen verstorbener Pfarrer wuchsen. Im 20. Jahrhundert wurden die Inkunabeln neu und einheitlich gebunden, die Bücher wurden mit dem Dekanatssiegel gestempelt und katalogisiert. Vermutlich hat sich Pfr. Martin Sontheimer (Lachen) darum gekümmert. In seinem Standardwerk Die Geistlichkeit des Kapitels Ottobeuren in sieben Bänden (Memmingen 1912-1922) nennt sich Pfr. Sontheimer: Kapitelsbibliothekar.



 
Auf Schildern gut sichtbar sind die Fachgebiete der Dekanatsbibliothek genannt. Sie lauten: 

Zeitschriften, Dogmatik, Apologetik, Synodologie, Patristik, Scripturik, Literatur, Encyclopädie, Geschichte, Jus, Aszetik, Liturgie, Pastoral, Moral, Kirchengeschichte, Kirchenrecht, Philologie, Philosophie, Katechismus, Miszellen, Incunabeln, Homiletik, Biographie, Medizin, Kunstgeschichte.



 
Im Rahmen der Zusammenlegung aller Dekanatsbibliotheken der Diözese Augsburg wurde die Ottobeurer Dekanatsbibliothek im Mai 2001 vom Diözesanarchivar Dr. Miedaner (+) nach Augsburg transferiert, gegen den Holzwurmbefall behandelt und im Bischöflichen Priesterseminar (Stauffenbergstr. 8, 86161 Augsburg) fachkundig aufgestellt.